Predigt vom Karfreitag 2019

von Eckhard Hallemann

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Karfreitag/19.4.2019                        Kreuzweg          BHF

Liebe Gemeinde!

Passionszeit - Leidenszeit – Karfreitag nun heute und der Kreuzweg Jesu Christi.

Leiden ist ein Weg

und windet sich für jeden anders.

 

Es waren nur vierundzwanzig Stunden

für den jungen Mann aus Nazareth,

vierundzwanzig Stunden

von seiner Verhaftung im Garten Gethsemane bis zu seinem Tod.

Es war sein letzter und sein längster Tag.

In diesen Stunden, da durchlebt er alles,

was ein Mensch durchmachen kann:

Angst und Enttäuschung,

Schmerz und Qual,

Hoffnung auf Schonung,

Verzweiflung an Gott und der Welt.

 

"Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?"

Nur eine Stunde: mitfühlen, miterleben, mitleiden.

Diese Bitte Jesu Christi klingt durch die Zeiten.

Mit ihm wachen,

den Weg nach Golgatha nachgehen, nachempfinden, nacherleben:

In seinem Leben die eigene Not erkennen,

auf seinem Kreuzweg das eigene Leben finden.

Darum sind wir heute hier in diesem Gottesdienst.

 

Zuerst also:

Jesus in Gethsemane von heb.: Gat-Schmanim – „Ölpresse“

eine Nacht unter freiem Himmel.

Menschen in einem Garten.

Einer wacht und er quält sich mit dem, was kommt.

Gethsemane – zu Deutsch: Ölpresse.

Weil so vieles an ihm nagt, das Leben herauszupressen scheint.

Niemand ist je allein, heißt es.

You’ll never walk alone.

Aber die Freunde schlafen.

Freunde?

Sie sind nah und doch so weit weg:

sehen nichts, spüren nichts, hören nichts.

"Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?"

Wachen am Krankenbett,

bei mir sein im Gefängnis meiner Angst,

dich begleiten im Dunkel deiner Einsamkeit.

Natürlich: kein Mensch kann einem anderen abnehmen, was mit ihm geschehen muss.

Keiner kann den Kampf des anderen kämpfen.

Aber Nähe und Freundschaft,

das könnte wie eine schützende Mauer sein.

Das wäre wie ein Licht in solch einer Nacht.

Das würde helfen gegen alles, was das Leben aus mir herauspresst.

Gethsemane.

 

Verhaftung dann – Verurteilung – Kreuzweg.

Jesus auf der Via Dolorosa – dem Weg der Schmerzen.

"Wer mir nachfolgen will,

der bleibe nicht bei sich selbst,

sondern nehme sein Kreuz auf sich

und folge mir nach!"

Das Volk folgt ihm nicht.

Es johlt, es gafft, es weidet sich an seinen Schmerzen.

Das Volk liebt keine Verlierer.

Dieser Jesus aber ist einer.

Ihn legt das Leben auf Kreuz – wie so viele vor ihm und nach ihm.

Das eigentlich ist die Hauptfrage:

Wo kommen wir da vor?

Wo stehen wir?

Freunde Jesu, die längst eingeschlafen sind?

Zuschauer unter der lachenden Menge?

Religionsbeamte, die ihre Ruhe wollen?

Es gibt keinen Ort auf der Welt, auf den der Schatten des Kreuzes nicht fiele.

Wir wenden uns ab.

Wir mischen uns nicht ein.

Wir sind nicht zuständig.

So ich meines Bruders Hüter sein?

 

Selbst ein bisschen Sympathie wäre ja schon was.

So wie Simon von Cyrene, der Jesus den Kreuzesbalken trägt und mit ihm Last und Schmerz.

Die Frauen vor allem sind Sympathisantinnen.

Jesu Mutter.

Veronika, die ihm das Schweißtuch reicht.

Maria, seine große Liebe.

 

Wer steht eigentlich zu dir?

Das ist eine der großen Fragen jedes Menschenlebens.

Wer hält es mit dir aus in deinem Alltag?

Wer trägt dein Leiden mit oder deine Traurigkeit oder deine Lebensschmerzen?

Wer hilft, dein Kreuz zu tragen?

 

Auf Golgatha – Schädelstätte – dann das Ende.

„Ich habe Durst“ soll er gerufen haben.

Einfache Worte:

Ich habe Durst,

ich habe Angst,

ich habe Hunger.

Gott gibt sich hinein in das Schicksal des Jesus von Nazareth,

in seine Menschen,

in uns,

in das Schicksal der Gefolterten,

in den Hunger der Kinder,

in die Schmerzen der Kranken,

in den großen Durst der Welt

nach Leben und Glück.

 

Am Karfreitag ahnen wir:

Der Kreuzweg ist der Lebensweg!

Weil zum Leben, ja sogar zum Lieben das Leiden gehört,

weil das Mitleid, das Mit-Leiden uns erst zu Menschen macht.

Weil sich das Glück nur erschließt unter der Erfahrung der Entbehrung.

 

Wir wissen, wie das Leben spielt:

Wie aus einer dunklen Wolke, wie aus heiterem Himmel kann das Kreuz über mich kommen:

die Last, die ich nicht zu tragen vermag,

der Schmerz, der meine Gedanken verwirrt,

die Sorge, die sich in mir eingenistet hat,

die Angst, dass morgen schon alles zu Ende ist.

Es kann vor Nacht leicht anders werden,

als es am frühen Morgen war.

Solang ich leb auf dieser Erden,

leb ich in steter Todsgefahr…

 

Darum ist Passionszeit, darum ist Karfreitag -

Weil das Einübung ist in den Umgang mit dem Leiden - damit ich morgen nicht zerbreche, - falls der Schmerz kommen sollte und die Tränen oder das Leid oder die Sorgen oder der Tod.

Die Kreuze des Lebens eben.

Würden wir Gott suchen, wenn uns nicht Lasten beschwerten?

Blickten wir nach oben, solange alles läuft?

 

Jesus lehrt sein Jünger, von IHM zu lernen:

Kraft zu empfangen vom Vater,

von dem, der immer bei uns ist,

der immer schon in uns ist.

Jesus lehrt uns beten:

Ich bitte dich, Gott, Vater, Herr,

gib mir doch so viel Kraft,

dass ich es annehmen kann:

mein Leben,

mein Leiden,

das Unbegreifliche,

all das, was mir gelegentlich den Atem raubt und die Hoffnung.

 

Gib mir doch so viel Kraft,

dass ich mein Kreuz tragen kann.

Und wenn ich zu zerbrechen drohe, Gott,

und die Last zu schwer wird,

dann hilf DU mir tragen

und fange mich auf.

 

Passion - Leiden - Kreuz und Nachfolge.

Nachfolge Jesu Christi.

Seinen Kreuzweg gehen mit den Kreuzen unseres Lebens.

Wissen: ER ist uns durch jedes Leiden immer schon vorausgegangen,

wissen: ER ist immer an unserer Seite,

wissen: ER wacht mit uns in jeder Nacht, die uns den Weg verdunkelt.

 

Ein altes, für manche abgedroschenes, aber doch so gutes Wort,

das jeder, das jede nur für sich selber sagen kann:

ER nimmt mir mein Kreuz nicht ab –

aber ER hilft mir tragen!

Was gibt es Tröstlicheres für die Kreuzwege unseres Lebens?!

ER nimmt mir mein Kreuz nicht ab –

aber ER, Jesus, der Christus, der Sohn Gottes, er hilft mir tragen!

Wenn wir das mitnehmen an diesem Karfreitag, das wäre schon viel!

                                    AMEN.

Eckhard Hallemann

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Eckhard Hallemann
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